Türkis
Türkis
Verwendung als Schmuckstein
Türkis zählt mit zu den ältesten Schmucksteinen der Welt und hat mit seinen zarten Pastelltönen schon seit dem Altertum viele Völker in seinen Bann gezogen. Er schmückte die Herrscher des antiken Ägypten, der Azteken (und wahrscheinlich auch der vor-kolumbianischen Mesoamerikaner), der Perser und Mesopotamier, sowie Adlige im Indus und teilweise auch im antiken China seit der letzten Shang-Dynastie. Türkis gelangte mit den Händlern der Seidenstraße das erste Mal nach Europa. Zur Biedermeierzeit waren besonders die himmelblauen Farbvariationen sehr beliebt.
In der Schmuckindustrie wird er aber erst seit dem 14. Jahrhundert verarbeitet, da dieser Zeitpunkt den damaligen Machtverfall der Katholischen Kirche markiert, die ihn bis dahin für kirchlichen Schmuck benutzte. In Indien war er bis zur Zeit der Mogule und in Japan bis zum 18. Jahrhundert unbekannt. Türkis wurde von vielen dieser Völker prophylaktische Fähigkeiten nachgesagt. So soll er angeblich je nach Gesundheitsstand des Trägers seine Farbe ändern und vor bösen Mächten beschützen.
Heutzutage findet man Türkis im Westen meistens „en cabochon“ in Silberringen, Armbändern, die im indianischen Stil gefertigt wurden oder als grob gefertigte Perlen in Halsketten. In geringerem Maße wird Türkis auch bei den Zuni für Schnitzereien im Fetischismus benutzt. Tiefblaue Töne werden nach wie vor als wertvoll angesehen, jedoch sind grünstichige oder gelbe Stücke bei Künstlern sehr beliebt. In der westlichen Kultur ist der Türkis der traditionelle Geburtsstein für all diejenigen, die im Monat Dezember geboren wurden.

Chalk Türkis
Dabei handelt es sich um stabilisierten und gefärbten Türkis. Das hat Vorteile bei der Verarbeitung, da Türkis ein sehr weicher und auch poröser Stein ist. Man erhält eine glattere Oberfläche und der Stein läßt sich mit Schnitzereien verzieren, wodurch tolle Designs aller Art entstehen können.
Etymologie
Das Wort „Türkis“ leitet sich ab dem frühen 15. Jahrhundert vom französischen Wort pierre turquoise „türkischer Stein“ ab. Diese Wortschöpfung beruht jedoch auf einem Missverständnis, denn Türkis wurde damals lediglich aus dem Gebiet des heutigen Iran in die Türkei importiert und dort gehandelt. Weitere Synonyme für Türkis sind Bisbee Blue (nach seinem Fundort Bisbee/Arizona); Calait, Chalchit, Chalchuit bzw. Kal(l)ait, wobei diese Bezeichnung (Griechisch für „schöner Stein“ nach Plinius) veraltet und kaum noch im Gebrauch ist. Die irreführende Bezeichnung Eilat-Stein steht dagegen für den Chrysokoll.
Wertschätzung und Pflege
Der Wert des Türkis als Schmucksteins wird generell durch die Intensität der Farbe bestimmt, wobei ein tiefes himmelblau am begehrtesten ist. Je grüner, heller oder gesprenkelter der Stein, desto weniger wert ist er auch. In Tibet bevorzugt man jedoch wie erwähnt eine Grünfärbung.
Egal welche Farbe der Stein nun besitzt, er sollte nicht zu weich oder kalkig sein, auch wenn er nachbehandelt wurde. Dieses Material neigt dazu, nach einiger Zeit zu verblassen und hält dem normalen Qualitätsstandard in der Schmuckindustrie nicht stand. Die besten Türkise werden üblicherweise in trockenen Regionen gefunden. Die Steine verlieren dadurch an Wasser, werden härter und ihre Farbe blauer.
Die schon erwähnte Spinnweben-Matrix kann den Wert eines Steines steigern, solange sie gut zu dem Stein passt, was meist jedoch nicht der Fall ist. Im Südwesten der USA und in Asien ist diese Form sehr beliebt, stößt jedoch auf Abneigung im Nahen Osten wo „reiner“ Türkis bevorzugt wird. Eine einheitliche Färbung ist wünschenswert und in verarbeiteten Stücken zählt auch die handwerkliche Qualität. Dies beinhaltet die Polierqualität und die Symmetrie des Steines. Geeichte Steine – also solche, die dem Standard der Schmuckindustrie entsprechen – sind auch sehr beliebt. Der Preis von Türkis hängt wie bei Koralle meistens von der Größe in Millimetern und nicht vom Karat ab.
Türkis wird auf vielfältigste Weise nachbehandelt, wobei einige Methoden permanenter und radikaler sind als andere. Es herrscht Uneinigkeit zwischen den Experten, ob einige dieser Methoden akzeptabel sind oder nicht, generell jedoch ist „leichtes“ Wachsen oder Einölen, um die Farbe und den Glanz des Türkis zu verbessern, „erlaubt“. Voraussetzung dabei ist, dass die Qualität des Ausgangsminerals sehr hoch ist und nur sehr wenig Wachs bzw. Öl absorbiert wird, der Stein also nicht auf regelmäßige Pflege angewiesen ist, um seine Schönheit zu erhalten. Allgemein ist jedoch unbehandelter Türkis immer teurer als behandelter oder künstlicher.
Als Phosphatmineral ist Türkis sehr empfindlich gegenüber sauren oder basischen Lösungen. Schweiß setzt dem Stein ebenso zu, wie Parfüms, Hautöle und andere Kosmetika oder auch Reinigungsmittel wie beispielsweise Seife. Türkisschmuck sollte daher beim Händewaschen und Putzen abgelegt werden, da seine Farbe mit der Zeit in ein unansehnliches, bräunliches Grün umschlagen kann. Wird der Stein über längere Zeit direktem Sonnenlicht ausgesetzt, verliert er an Farbe oder dehydratiert. Daher sollte man beim Tragen von Türkisschmuck darauf achten, dass Kosmetika, Sonnenschutz und Haarspray vor dem Anlegen des Schmuckes aufgetragen werden. Er sollte nicht am Strand oder zum Sonnenbaden getragen werden. Zur Verhinderung von Ablagerungen kann er nach dem Tragen mit einem weichen Tuch sanft gereinigt werden. Zur Aufbewahrung eignet sich ein separates Kistchen, um das Zerkratzen durch andere Edelsteine zu vermeiden.
Ebenso empfindlich reagiert Türkis auf Erhitzung. Eine Temperatur von etwa 250 °C, wie sie leicht beim Löten oder Polieren erreicht werden kann, lässt den Stein eine grüne Farbe annehmen
Manipulationen und Imitationen
Die Ägypter scheinen als erste in der Lage gewesen zu sein, mittels des glasierten Tonprodukts Fayence künstlichen Türkis herzustellen. Später wurden auch Glas und Emaille benutzt und in der modernen Zeit entstanden anspruchsvollere Keramikprodukte, Porzellan, Kunststoff und andere rekonstruierte, gepresste, geklebte und gebrannte Rohstoffe zur Herstellung von künstlichem Türkis. Letztere bestehen aus verschiedenen Kupfer- und Aluminiumkomponenten.
Beispiele wären „Viennese turquoise“ (Wiener Türkis), hergestellt aus ausgefälltem Aluminiumphosphat und eingefärbt mit Kupferoleaten, sowie „Neolith“ (Reese-Türkis), eine Mischung aus Bayerit und Kupferphosphaten. Beide Produkte weisen erhebliche Unterschiede zum Original hinsichtlich physischer und chemischer Eigenschaften auf. Eine weitere Türkis-Imitation ist unter dem Namen „Neotürkis“ bekannt und wird unter Verwendung von Gibbsit und Kupferphosphat hergestellt.
1972 gelang es Pierre Gilson, so etwas wie synthetischen Türkis herzustellen. Durch den verwendeten Kleber unterscheidet er sich jedoch in seiner chemischen Zusammensetzung, also sollte man ihn besser als Imitation und nicht als synthetisch bezeichnen. Gilsons Türkis gibt es einmal in einheitlicher Färbung und mit der schwarzen „Spinnweben“-Matrix, die dem Türkis aus Nevada nicht unähnlich ist.
Aufgrund der weiten Verbreitung von künstlich behandeltem, imitiertem bzw. synthetisch hergestelltem Material ist die Popularität des Türkises in neuerer Zeit beeinträchtigt. Selbst Experten können solche Stücke häufig nicht von echten natürlichen Steinen unterscheiden.
Das am weitesten verbreitete Imitat ist gefärbter Howlith und Magnesit, die beide in ihrer ursprünglichen Form weiß sind, wobei Ersteres ebenfalls die natürliche schwarze Streifung des Nevadatürkises aufweist. Gefärbter Chalcedon, Jaspis, und Marmor sind nicht so üblich und sehen auch nicht so echt aus. Andere natürliche Mineralien, die oft mit Türkis verwechselt oder für eine Imitation benutzt werden, sind Variscit, Faustit, Chrysokoll, Lazulit, Smithsonit (Zinkspat), Hemimorphit und ein Fossilknochen der Odontolit oder „Knochentürkis“ genannt wird und mittels des Minerals Vivianit eingefärbt wird. Odontolit wurde früher speziell für die Türkisherstellung in großem Umfang in Südfrankreich abgebaut, ist aber heute stark aus der Mode gekommen.
All diese Fälschungen können von Gemmologen mittels zahlreicher Tests entlarvt werden, wobei diese sich stark auf eine gründliche Untersuchung der Oberflächenstruktur unter dem Mikroskop stützen, bei welcher der Stein nicht zerstört werden darf. Natürlicher Türkis weist einen hellblauen Untergrund auf, der mit weißen Flecken oder Punkten versehen ist. Die künstlich hergestellten Steine hingegen sind hinsichtlich Farbe (normalerweise ein durchgehendes dunkelblau) und Oberflächenbeschaffenheit (granular ähnlich Zucker) grundverschieden. Glas und Kunststoffe sind lichtdurchlässiger, manchmal mit Blasen oder kleinen Streifen unter der Oberfläche. Flecken zwischen dem korngrenznahen Bereich sind in gefärbten Imitaten sichtbar.
In einigen Fällen wird der Stein jedoch zerstört. Verdünnte Salzsäure löst die Carbonate Odontolit und Magnesit unter Bläschenbildung auf und Howlith verfärbt sich grün. Eine Erhitzung des Steins erzeugt bei Produkten aus Kunststoff einen stechenden Geruch. Original und Fälschung können auch bezüglich ihrer Dichte, Brechzahl, Lichtabsorption (siehe Absorptionsspektrum von Türkis) und anderen physischen und optischen Eigenschaften voneinander unterschieden werden. Künstlicher Türkis tritt heute so häufig auf, dass er dem natürlichen Türkis mengenmäßig schon längst überlegen ist. Inzwischen kann man davon ausgehen, dass über 90 % der verkauften Türkise in irgendeiner Form behandelt, rekonstruiert oder imitiert sind . Sogar in „authentischem“ indianischem und tibetischem Schmuck findet man oft nur künstlichen oder im besten Fall stark behandelten Türkis.
Methoden zur Nachbesserung
Türkis wird hinsichtlich Farbe und Haltbarkeit (bezüglich Härte und Porosität) verbessert. Die ersten Methoden zur Nachbesserung waren dabei leichtes Wachsen und Einölen, wodurch der Glanz erhöht und die Farbe intensiviert werden kann . Diese Methoden sind mittlerweile als Tradition akzeptiert, da das Ausgangsmaterial meistens sowieso schon von höherer Qualität ist. Moderne Behandlungsmethoden wie das Druckimprägnieren von ansonsten unverkaufbarem kalkigen amerikanischem Türkis mittels Epoxydharz, Polystyrol und Wasserglas (Alkalisilikate) stoßen hingegen auf Widerstand. Sie werden als ein zu radikaler Eingriff in die Natur angesehen. Kunststoff und Alkalisilikat sind Öl und Wachs technisch überlegen was Haltbarkeit und Stabilität angeht, da sie auch auf Türkis angewendet werden können, der für die älteren Methoden zu brüchig wäre. Solch behandelter Türkis wird „rekonstruierter“ oder „stabilisierter“ Türkis genannt. Die Epoxyharzmethode wurde in den 1950ern von Colbaugh Processing of Arizona erfunden. Der Großteil des amerikanischen Türkis wird heute so nachbehandelt, obwohl der Prozess an sich sehr teuer ist und sich über mehrere Monate hinzieht. Ohne Imprägnierung würden die meisten amerikanischen Minen nicht wettbewerbsfähig sein.
Geölte und mit Wachs behandelte Steine neigen unter geringer Wärmezufuhr oder bei übermäßiger Sonneneinstrahlung zum „schwitzen”. Ihre Oberfläche wird mit der Zeit weiß oder trüb. Die Anwendung von Preußisch Blau und anderen Farben – oftmals in Verbindung mit Klebebehandlungen – zur Intensivierung, Vereinheitlichung oder kompletten Veränderung der Farbe wird nicht nur von Puristen als betrügerisch angesehen. Zudem bleichen einige Farben mit der Zeit aus oder färben auf den Träger ab.
Eine Färbung wird auch angewendet, um die dunklen Streifen des Türkis zu verstärken. Die radikalste Methode ist dabei sicherlich die „Rekonstruktion“, wobei man Splitterteile, die zu klein sind, um anderweitig verarbeitet zu werden, einfach zusammenklebt und einen größeren Stein formt. Viele dieser Nachbildungen, wenn nicht sogar alle, enthalten meistens gar keine natürlichen Komponenten mehr oder wurden mit Fremdmineralien aufgefüllt (siehe Imitate). Eine weitere Behandlungsmethode – von der keine detaillierten Angaben bekannt sind – ist der so genannte Zachery-Prozess, der nach seinem Erfinder, dem Elektroingenieur und Türkishändler James E. Zachery benannt wurde. Hierbei werden angeblich nur mittelmäßige Steine verwendet. Der Türkis ist nach der Behandlung härter und besitzt eine schönere Farbe und einen besseren Glanz.
Da qualitativ hochwertiger Türkis meistens nur in dünnen Spalten gefunden wird, verbindet man ihn zur Verstärkung mit härterem Material. Das Ergebnis ist eine Dublette, die in bestimmten Schmuckdesigns verwendet wird. Manchmal findet auch das Muttergestein des Türkis als Basis Verwendung. Dubletten sind wie alle vorher genannten Methoden legal, so lange der Käufer vor dem Kauf darauf hingewiesen wird.
Wie so oft bei Edelsteinen ist aber gerade dies nicht der Fall, weswegen Gemmologen die verdächtigen Steine oft untersuchen müssen. Durch Erhitzen lässt sich relativ einfach feststellen, ob der Stein mit Öl, Wachs oder Plastik nachbehandelt wurde.