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Perlen in der tibetischen Welt
Perlen aus Tibet
Tibetischer Schmuck
Trotz seiner natürlichen Unzugänglichkeit war Tibet nur zeitweise ein verbotenes Land. Obwohl uns für die Zeit vor dem 7. Jahrhundert n. Chr. kaum tibetische historische Quellen zur Verfügung stehen, gibt es dennoch Hinweise auf Kontakte tibetischer Stämme mit China und der griechisch-römischen Welt. Von großer Bedeutung waren auch die Beziehungen zu Indien, da sie die Übernahme des Buddhismus durch die Tibeter förderten. Mehrfach haben die Mongolen in das politische Schicksal des Landes eingegriffen. Die Mongolen nahmen Ende des 16. Jahrhunderts die tibetische Form des Buddhismus an. Während des 17. und 18.Jahrhunderts kamen christliche Missionare aus Europa nach Tibet. Chinas Einfluss auf Tibet war im Lauf der Zeit von unterschiedlicher Bedeutung; Kontakte zwischen beiden Ländern bestanden bereits seit prähistorischer Zeit, aber erst unter der Tang-Dynastie (618-907) wurden offizielle Beziehungen aufgenommen. Bevor Tibet im Jahr 1959 politisch den übrigen chinesischen Provinzen angeglichen wurde, war es ein buddhistischer Priesterstaat, regiert von einer teils mönchischen, teils aristokratischen Hierarchie mit dem Dalai-Lama als geistlichem und weltlichem Oberhaupt. Tibet war somit kulturelles Zentrum des östlichen Zentralasien, das in unterschiedlicher Stärke auf Ladakh, Bhutan, Sikkim, Nepal und die Mongolei sowie auf die chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan ausstrahlte.
Der Schmuck dieser Länder weist eine Reihe wichtiger Übereinstimmungen mit tibetischen Vorbildern auf. Jegliche Art von Schmuck hat hier religiöse Funktion. Im Übrigen war es üblich, Gebetsschnüre sowohl zum Zählen der Gebete als auch zum Rechnen zu benutzen. Die Hof-Perlen mandschurischer Adeliger und hoher Beamter der Qing-Dynastie (1644-1912) sind eigentlich nichts anderes als künstlerisch gestaltete Gebetsketten.
Da Tibet sich - mit Ausnahme von Tee - selbst mit den Grundgütern des täglichen Bedarfs versorgen konnte, waren die meisten Importwaren Luxusgüter, darunter auch Perlen und Perlenmaterialien.
Um den Rang des Trägers zum Ausdruck zu bringen und weil das Nomadenleben robuste Trageeigenschaften verlangt, ist tibetischer Perlenschmuck meist groß und stabil. Seine hervorstechenden Merkmale sind dekorative Muster, eigenwillige Bearbeitung von Edelsteinen und Halbedelsteinen sowie reichliche Verwendung von Türkis, Koralle und Bernstein. Tibetische Perlen sind einfach und wohlproportioniert.
Der Schmuck ist überaus farbenfroh - wohl als Reaktion auf die karge Himalaya Landschaft. Die kunstvollen Designs sind hauptsächlich von indischen oder chinesischen Vorbildern inspiriert. In Tibet trug man allgemein große Mengen von Perlen, und zwar möglichst aus den teuersten Materialien, die man sich leisten konnte. Die wohlhabenden tibetischen Städter und Dorfbewohner besaßen gewöhnlich kunstvolleren Schmuck als die Nomaden, die drei Viertel der Bevölkerung stellten. Vornehme Damen trugen Bernstein- und Korallenhalsbänder, die manchmal fast bis auf den Boden reichten. Samenperlen dienten als Anhänger für goldene Amulettbehälter, die ihrerseits mit Türkis und Edelsteinen eingelegt waren.
Der eigentliche Wert solcher Schmuckstücke besteht aber weniger in den Steinen - meist handelt es sich um Glasimitationen, als in wichtigen Eigenschaften wie die Leuchtkraft der blauen Türkise, dem Goldgewicht des Behälters, sowie der Größe der Korallen und der Dzi-Perlen im Halsband.
Imitationen aus Glas erfreuten sich als farbenfrohe, exotische und dennoch erschwingliche Schmuckelemente großer Beliebtheit.
Da man in Tibet keine Erfahrung in Steinbearbeitung besaß, wurde auch dem Wert der Edelsteine keine übermäßige Bedeutung beigemessen. Hauptsache war, dass der Schmuck dekorativ wirkte; ob mit echten Steinen oder solchen aus Glas, war sekundär. Die Tibeterinnen trugen Perlen auch im Haar oder am Kopfputz als Ausdruck ihres Reichtums oder als Zeichen ihrer ethnischen oder regionalen Herkunft. Dabei variieren die Muster von Region zu Region stark. Die folgende Beschreibung des Kopfschmucks wohlhabender Frauen bei einem Dorffest vermittelt einen Eindruck von dem Aufwand, der damit verbunden war.
Die grundsätzliche Form besteht aus zwei oder manchmal drei rund um den Kopf gelegten und reich mit Perlen geschmückten Zöpfen. Korallen und Türkisperlen so groß wie Hühnereier, natürlichen Tropfenperlen und verschiedene Arten von Bernstein und Jade umgeben die Köpfe der Frauen wie Lichtkränze die Häupter der Göttinnen. Diese Kränze waren an einem runden Stirnband befestigt, von dem vorn sechs oder sieben Perlenschnüre und gleichmäßig geformte Türkise und andere Edelsteine herunterhingen. Türkis-, Korallen- und Bernsteinperlen wurden magische Kräfte nachgesagt. Aus Italien importierte Korallen blieben den Reichen vorbehalten, die weniger Wohlhabenden trugen Korallenimitationen aus Glas. Marco Polo erwähnt im 13-Jahr hundert die Wertschätzung der Korallen in Tibet: Koralle ist sehr teuer, da sie sie ihren Frauen und Götterbildern um den Hals legen und sie als Edelsteine betrachten.
Perlen und Bhuddismus
Zwischen dem 2. und 7. Jahrhundert breiteten sich zugleich mit der Erweiterung der Seidenstraßen die Lehren des Hinduismus, Jesus Christus und Buddhismus in Zentralasien aus. Während im Westen schließlich der Islam die Oberhand gewann und Hinduismus und Christentum nur geringe Erfolge erzielen konnten, war es letztlich der Buddhismus, der die Kulturen Zentralasiens entscheidend geprägt hat. Der in Tibet entstandene zentralasiatische Buddhismus ist eine Mischung verschiedener buddhistischer Lehren und jeweils lokaler Glaubensvorstellungen. Die religiösen Lehren übten großen Einfluss auf die Gestaltung des Schmucks aus. Die Tibeter, die in einer rauhen und unwirtlichen Gegend lebten, neigten dazu, Bedrohung und Unheil bösen Geistern zuzuschreiben, die sie in ihrer Umwelt, in ihren Tierarten oder sogar im eigenen Körper vermuteten. Durch das Tragen von Amulettbehältern oder Perlen glaubte man diese Geister bannen zu können, und deshalb war Schmuck ein wichtiger Bestandteil der Kleidung. In den Himalaya- Ländern besaß selbst der Ärmste einige Türkisperlen als Amulett.
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